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    Institut für klassische Philologie

    Ute H E I D M A N N: Zur poetologischen und intertextuellen Bedeutung der Metamorphosen des Apuleius für Jean de La Fontaine und Charles Perrault

    WJA Band 37, 2013. Seite 157-190

    Zusammenfassung

    Die Bedeutung der Metamorphosen für die Gattungsgeschichte des Märchens be­schränkt sich nicht auf thematische Aspekte ihrer berühmtesten Binnenerzäh­lung, der fabella von Psyche, sondern verdankt sich höchst komplexen poeti­schen Verfahrensweisen. Zu diesen gehört die geniale Erfindung der doppelten fiktiven Erzählerinstanz des Esels und der Alten und das Experimentieren mit verschiedenen Gattungsformen, das die fabella der Psyche bedeutungsvoll mit der historia der Charite verbindet.

    Die genaue textvergleichende Untersuchung zeigt, wie Jean de La Fontaines Amours de Psiché et de Cupidon (1669) und Charles Perraults Peau d'Asne (1694) und La Belle au bois dormant (1697) diese Verfahren aufgreifen und weiterentwickeln. Die komplexe Bezugnahme auf den lateini­schen Text ermöglicht es La Fontaine, eine Form des «conte galant» zu schaf­fen, dessen Ambivalenz Charles Perrault mittels einer signifikant anderen Weise, sich intertextuell auf Apuleius zu beziehen, zu einer gefährlichen und daher ko­difizierten Regimekritik umarbeitet.

    Dem genau lesenden und intertextuell ver­sierten Leser seiner pseudo-naiven Märchen wird gezeigt, daß sich junge Frauen im heiratsfähigen Alter am Hofe von Ludwig dem Vierzehnten (zu diesen ge­hört dessen Nichte, Elisabeth Charlotte d'Orleans, der sie gewidmet sind) nicht in besserer Gesellschaft befinden als Charite inmitten der Räuberbande. 

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