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    Lehrstuhl für klassische Philologie I - Schwerpunkt Gräzistik

    Platonismus und spätägyptische Religion

    Plutarch und die Ägyptenrezeption in der römischen Kaiserzeit

    Internationales Symposium vom 08. bis zum 10.05.2014 in Würzburg  


    Veranstalter: Prof. Dr. Martin Stadler (Ägyptologie), Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Erler (Gräzistik)
    Förderung: durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

    Es ist eine weitverbreitete, letztlich aber überholte Perspektive, den Hellenismus als ein Phänomen zu sehen, der allein das Griechentum fortentwickelt. Hellenismus (als kultureller und geistesgeschichtlicher Begriff, nicht als Epochenbezeichnung) ist das eben nicht, denn im Hellenismus ist in nicht unerheblichem Maße Orientalisches aufgenommen, anverwandelt und weiterentwickelt worden. Das gilt in viel stärkerem Maße für die römischer Kaiserzeit. Der kaiserzeitliche Platonismus und sein Verhältnis zur ägyptischen Religion ist ein gutes Beispiel, um im Sinne einer Fallstudie mögliche andere Verstehensmodelle aufzuzeigen.

    So ist Plutarch – vor allem in De Iside et Osiride – eine Fundgrube Alten Wissens z.B. über die Ägypter. Andererseits sollte die von ihm und andere Platonikern praktizierte Methode einer Legitimation eigener, platonischer Positionen dienenden Projektion alten Wissens auf platonische Konzepte davor warnen, ihn selbst ungeprüft als historische Quelle zu nutzen. Dies wird besonders deutlich in der Schrift De Iside et Osiride, wo die Konvergenz des tieferen Sinns des ägyptischen Mythos mit platonischer Philosophie erwiesen werden soll.

    Ägyptologen haben lange die Bedeutung und das Potential von Autoren wie Plutarch, Porphyr und Jamblich nur unzureichend zur Kenntnis genommen. Sie sind hier indes auf Hilfe angewiesen, das genuin Griechische zu verstehen und einzuordnen, wobei es hier weniger um die rein sprachliche Ebene, als vielmehr die literatur- und philosophiehistorischen wie auch die soziologischen Aspekte geht. Genauso bedürfen indes die Forscherinnen und Forscher, die sich mit dem Mittel- und Neuplatonismus beschäftigen, der Information seitens der Ägyptologie, was sich auch aus dem Ägyptischen heraus verstehen und in ägyptischen Quellen belegen läßt.


    Heute stellen sich folgende Fragen:

    • Was veranlaßte den bedeutendsten Vertreter des Mittelplatonismus, der Plutarch (freilich aufgrund der Überlieferungssituation) ist, sich mit dem Mythos von Isis und Osiris zu beschäftigen und möglicherweise auch noch ein solides Quellenstudium zu betreiben?
    • Wie passen ägyptischer Mythos und Mittelplatonismus zusammen?
    • Kann De Iside et Osiride vor diesem Hintergrund als mittelplatonisches Werk gelten?
    • Ist sein Ägyptenbild eine Projektion und was steht schon auf der Projektionsfläche, die so das Bild beeinflußt und verändert?
    • Stand Plutarch dem ägyptischen Kult wirklich so ablehnend gegenüber, wie das noch jüngst an De Iside et Osiride versucht wurde zu zeigen?
    • Wie verhält sich Plutarchs Ägypten-Rezeption zur Haltung späterer Platoniker gegenüber ägyptischen Vorstellungen?
    • Die Autoren nehmen in Anspruch, altes Wissen zu verarbeiten, ziehen aber auch zeitgenössische Quellen heran: Ist das ein Widerspruch, oder kann die Ägyptologie Traditionen aufzeigen?

    Verschiedene Forschungsansätze wären hier zusammenzuführen. Das Thema soll aber auch in einen weiteren Kontext eingebettet werden, dem einige Referate Rechnung tragen, die den Blick auf die interpretatio Graeca in Ägypten, die Zweite Sophistik oder den Hermetismus richten.

    Die Tagung will einen Impuls, das eng geknüpfte Netz zwischen den Kulturen des östlichen Mittelmeerraumes differenzierter zu verstehen.    

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